Donnerstag, 31. dezember 2009
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31
/12
/2009
14:17
Man kommt nicht umhin, an Silvester auf das vergangene Jahr zurückzublicken und ein Fazit zu ziehen.
Viel ist passiert, wie immer Gutes and Schlechtes. Dass ich Chuck nicht besuchen kann, war eine alptraumhafte Erfahrung und der Alptraum hält noch immer an. Jetzt im Dezember konnten wir wieder
gegen das Besuchsverbot vorgehen. Eine Entscheidung steht noch aus.
Ich erlaube mir keine großen Hoffnungen. Die Gefahr, wenn sich diese Hoffnungen nicht erfüllen, wieder in ein tiefes Loch zu sinken, ist einfach zu groß. Ich kann Chuck das nicht antun. Ich muss
stark sein, für ihn, für uns beide.
Er hat es um so vieles schwerer als ich.
Ich lebe in einem Zuhause, in dem ich mich wohl fühle. Ich habe heute morgen gekocht und werde die Silvesternacht mit Freunden verbringen. Chuck sitzt in einer kalten Zelle, allein. Und das mit
der kalten Zelle ist nicht als Metapher gemeint.
Letztes Jahr zu dieser Zeit war ich in Texas mit meiner Freundin Hildi. Wir hatten schon eine halbe Odysee hinter uns, um überhaupt nach Texas zu kommen - wegen plötzlichem Wintereinbruch. Aber
die Besuche haben für alles entschädigt. Ich erinnere mich noch genau an die Silvesternacht... wir hatten noch den Jetlag... haben ein Glas Wein getrunken und sind um 22.00 Uhr
eingeschlafen...
Was würde ich dafür geben, jetzt bei Chuck zu sein...
Wir wünschen euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr. Mögen sich Eure Wünsche und Hoffnungen für 2010 erfüllen.
Petra
von Chuck & Petra
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Freitag, 6. november 2009
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06
/11
/2009
22:10
Es war ein etwas seltsames Gefühl im Flieger nach Houston zu sitzen und zu wissen, dass
ich Chuck nicht sehen würde.
Als sich dann meine Freundin am nächsten Tag für ihre Besuche fertigmachte... da lag ich auf dem Bett im Motelzimmer und versuchte, irgendwie nicht in Traurigkeit zu versinken. Aber ich hatte
Chuck versprochen, dass ich stark sein würde. Er macht sich solche Sorgen um mich und so hatte ich keine andere Wahl. Einfach war es nicht.
Völlig irreal wurde die Situation, als wir meine Freundin am Gefängnis absetzten. Sie sollte Chuck besuchen, an meiner Stelle, damit er auch mal aus der Zelle kam, damit er sich sattessen konnte,
damit ich neue Nachrichten ohne Zeitverzögerung erhalten konnte und sie mir Briefe und Bücher von ihm mitbringen konnte. Und natürlich sollte sie ihm versichern, dass es mir gut
geht und er sich nicht so zu sorgen brauchte.
Ein Freund war bei mir während der 2,5 Stunden. Er gab sich alle Mühe, mich abzulenken. Wir gingen in eine Bar, tranken eine Margarita... ich sprach die ganze Zeich von Chuck.
Dann war es endlich soweit, die Zeit war um und wir fuhren zum Gefängnis zurück.
Als ich meine Freundin sah, hielt es mich nicht länger im Auto. Und ich war auch nicht länger in der Lage, die Fassung zu bewahren. Habe erstmal nur geheult. Und als sie mir ausrichtete, wie sehr
Chuck mich liebt, da hab ich nur noch mehr geheult.
Die halbe Nacht musste sie mir erzählen, worüber sie gesprochen haben und wieder im Motel habe ich meinen roten Property-Sack mit den Geschenken ausgepackt. Ich habe Chuck's Brief gelesen und da
konnte ich schon wieder lächeln.
Zusammen werden wir diese schwere Zeit durchstehen.
Und es ist ja auch nicht nur alles negativ. Wir haben eine gute Ermittlerin engagiert und Anfang Dezember erscheint das Buch über Chuck's Leben, seinen Fall und die spektakuläre Flucht in
deutscher Sprache.
Liebe ist stärker als alles andere.
von Chuck & Petra
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Samstag, 3. oktober 2009
6
03
/10
/2009
16:44
Warten ist schlimm. Dieses Gefühl, nichts tun zu können... weit weg zu sein. Und Geduld war noch nie meine starke Seite.
Nunja neben Chuck muss ich Geduld lernen.
Alle Versuche, mich auf seine Besucherliste zurückzubringen, sind gescheitert. Im Augenblick können wir nichts weiter tun, als Mitte Dezember (6 Monate nach der offiziellen Ablehnung unserer
Berufung) erneut eine Berfung gegen das Besuchsverbot einzubringen.
Unserer Liebe kann das alles nichts anhaben, wir fühlen uns stärker verbunden denn je. Wir gehören einfach zusammen, ob nun mit oder ohne Besuche. 
Im Moment konzentrieren wir uns darauf, Unterstützung zu finden, was seinen Fall angeht...
Und wir motivieren uns gegenseitig, stützen uns gegenseitig, sind dankbar für jeden gemeinsamen Tag.
In knapp zwei Wochen (am 16. Oktober) fliege ich nach Texas... ein ALIVE-Business-Tripp. Es mag seltsam klingen, dass ich mich auf diese Reise freue, obwohl ich weiß, dass ich meinen geliebten
Chuck nicht sehen darf. Aber ich freue mich! Es gibt mir das Gefühl, mit dieser Reise den halben Weg zu ihm schon mal zurückzulegen. Und ich habe Hoffnung, irgendwann und irgendwie auch die zweite
Hälfte des Weges meistern zu können. 9.000 km zu überwinden, ist wahrscheinlich leichter als die restlichen 100 m. Aber wir sind stark und gemeinsam kann und nichts und niemand etwas anhaben. Liebe
überwindet alles - 9.000 km... und irgendwann auch die restlichen 100 m und auch ein herzloses System!
von Chuck & Petra
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Montag, 31. august 2009
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31
/08
/2009
19:04
Einige Zeit ist vergangen, seit ich das letzte Mal etwas geschrieben habe.
Chuck ist seit dem 17. Juli wieder zurück auf Level 1. Das sind die positiven News. Aber damit war es das auch schon fast.
Dass er obwohl wieder auf Level 1 kein Radio bekommen hat, machte Chuck ziemlich depressiv. Zeitweise habe ich mir große Sorgen gemacht, mehr noch als ohnehin schon. Ein Radio im Todestrakt
bedeutet soviel mehr, als ein wenig Musik zu hören oder durch die Nachrichten den Anschluss an die Welt zu erhalten. Es bedeutet vor allem, dass er mit den Kopfhörern auf den Ohren für eine
gewisse Zeit die "Umgebung Todestrakt" ausblenden kann.
Er hatte dann doch noch etwas Glück und bekam am 10. August ein Radio.
Mit dem Radio kam eine gewisse Entspannung... und Hoffnung... dass alles irgendwie wieder gut werden würde.
Chuck war richtig glücklich und ich war es mit ihm. Für eine paar Tage...
In unserer Situation kann sich glücklich fühlen eine verhängnisvolle Sache sein. Mann fällt noch tiefer, wenn etwas passiert.
Ich weiß jetzt, dass mein "Besuchsverbot" auf reiner Willkür basiert. Gegen Fakten hat man vielleicht eine Chance... aber gegen Willkür?
Ich bemühe mich, stark zu sein. Aber es fällt schwer. Hilflosigkeit ist kein schönes Gefühl.
von Chuck & Petra
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Sonntag, 19. juli 2009
7
19
/07
/2009
01:14
Am 17. Juni wurde meine Berufung abgelehnt. Wir haben erst eine Woche später davon erfahren. Es wurde kein Grund angegeben. Welchen Grund konnte es geben? Nichts hat
sich geändert. Ich habe nichts getan!
Ich habe es erwartet. Habe mich darauf vorbereitet - so gut es eben ging. Dennoch war ich traurig... Wie könnte es anders sein?
Was folgt ist Leere. Ich kann nichts mehr tun. Nur warten. 6 Monate, bis eine neue Berufung möglich ist.
Nunja, eine Zivilklage wäre eine Option. Aber das kostet Geld. Für einen Anwalt. Geld, das ich nicht habe.
Also ist nur Warten eine wirkliche Option.
Das fällt so schwer. Nichtstun... Warten...
Ich vermisse Chuck so sehr. Die Sehnsucht ist so unbeschreiblich groß.
Ich meine, die Sehnsucht ist immer groß. Aber solange ich ein Flugticket in der Tasche habe, eine Art Licht am Ende des Tunnels, ist es erträglich. Nicht zu wissen, wann ich ihn wiedersehe, ist
unerträglich.
Ich liebe meinen Mann. Ich vermisse sein Lachen. Ich vermisse den Klang seiner Stimme. Ich vermisse es, in diesem Besucherraum zu sitzen und auf ihn zu warten... nur um ihn dann kommen zu sehen und
diesen Funkeln in seinen Augen zu sehen, das immer in dem Moment auftaucht, wenn er mich zum ersten Mal sieht.
Wann? Wann werde ich Chuck wiedersehen? Wann sein Lachen? Wann seine sanfte Stimme hören? Ich weiß es nicht. Alles was ich weiß ist, dass unsere Liebe stark ist und was immer kommen mag, wir werden
es überstehen - gemeinsam. Irgendwie! Irgendwann... 
von Chuck & Petra
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